CBD Öl für Kinder

Dieser Fall ging um die Welt: Charlotte Figi bekam schon als Kind von ihren Eltern CBD. Aus gutem Grund, denn nichts half der Kleinen gegen ihre spezielle Form von Epilepsie. Bis zu 50 Anfälle pro Tag machten ihr Leben zur Hölle. Also versuchten es die Eltern mit dem Hanfwirkstoff. Das Ergebnis: Der kleinen Charlotte ging es wesentlich besser! Daraus zogen Eltern weltweit den Umkehrschluss: CBD für Kinder ist effektiv und absolut sicher. Aber stimmt das überhaupt? Immerhin hat CBD auch Nebenwirkungen, die nicht ganz so harmlos sind. Wir raten zur Vorsicht!

Hinweis: CBD für Kinder ist ein heikles Thema. Darum haben wir für diesen Text besonders lange und sorgfältig recherchiert!

Kann CBD bei Kindern überhaupt etwas bewirken?

Auch Kinder besitzen bereits ein Endocannabinoidsystem. Andernfalls hätte ja im Fall der Charlotte Figi das CBD überhaupt nicht angeschlagen. Doch ist bei Kindern noch alles in der Entwicklung. Deshalb geht es weniger darum, ob CBD etwas bewirken kann. Vielmehr ist die Frage: Was bewirkt es denn?

Generell kann CBD im kindlichen Körper dieselben Wirkungen entfalten wie beim Erwachsenen. Die wichtigsten Eigenschaften sind dabei diese:

  • entspannend, beruhigend
  • krampflösend
  • entzündungshemmend

Nicht immer geht es um eine komplette Heilung. Oft kann auch ein Kind mit einer ernsten Grunderkrankung von CBD profitieren, obwohl sich an der Erkrankung selbst nichts ändert. Leider ist das nicht immer allen Eltern klar, wie eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 verdeutlicht.

Dabei wurden mehrere hundert Eltern / Pflegepersonen zu ihren Kindern mit Epilepsie befragt. Die Online Umfrage fand ausschließlich in deutschsprachigen Ländern statt. Insgesamt wurden 378 Antworten vollständig ausgefüllt und eingereicht. 30 % der Befragten gaben an, dem Kind CBD zu geben. Davon nutzten wiederum 30 % frei verkäufliches CBD. In den meisten Fällen handelten die Eltern eigenverantwortlich, also ohne ärztliche Begleitung oder Beratung. Das Durchschnittsalter der Kinder betrug ungefähr elf Jahre.

Das Ergebnis scheint frustrierend: Knapp die Hälfte der Anwender hätten sich mehr erhofft! Sie gaben aber auch zu, wenig informiert zu sein. Beispielsweise galt die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten als ein Gebiet, über das man gern mehr wüsste (1).

Wie könnte CBD bei Kindern helfen?

Hier führten also falsche Erwartungen dazu, dass CBD die Hoffnungen nicht erfüllen konnte. Doch so muss es nicht zwangsläufig enden. Es gibt eine Reihe von Problemen und Erkrankungen, bei denen CBD zumindest unterstützend eingesetzt werden kann.

Bei welchen Erkrankungen kann CBD etwas bewirken:

  • Epilepsie
  • soziale Phobien
  • Autismus
  • ADHS
  • Schmerzlinderung
  • allgemein beruhigend
  • begleitend zu herkömmlicher Therapie, unter anderem Krebs / Chemotherapie.

Gesicherte Erkenntnisse gibt es bisher nur zu Epilepsie. Das hängt mit dem Mittel Epidiolex zusammen, welches als pharmazeutischer Vorreiter auf diesem Gebiet betrachtet werden kann.

Beispiel Epilepsie: der Fall Charlotte Figi

Charlotte Figi lebte in den USA. Sie wurde nach 2013 weltweit bekannt, als die Fernsehanstalt CNN eine Reportage über sie ausstrahlte. Bereits mit 5 Jahren litt sie an einer Form von Epilepsie, die sich Dravet-Syndrom nennt. An nur einem Tag konnte das kleine Kind bis zu 50 Krampfanfälle haben. Herkömmliche Medikamente versagten bei ihr komplett.

2011 wandten sich die Eltern schließlich an eine legale Ausgabestelle für medizinisches Marihuana. Dort gab man ihnen eine Sorte, die besonders viel CBD enthielt. Die Einnahme veränderte schlagartig Charlottes Leben: Die Zahl der Anfälle reduzierte sich in hohem Maß. Daraufhin besorgten sich die Eltern eine spezielle Züchtung, welche noch mehr CBD enthielt. Sie trägt bis heute Charlottes Namen, denn mit ihrer Hilfe musste das Mädchen nur noch maximal 3 Anfälle pro Monat erleben (2). Leider lebt Charlotte nicht mehr. Nach einer Covid-19-Infektion verstarb sie im April 2020.

Trotz derartiger Beispiele ist aber immer noch Vorsicht geboten. Wir wissen zu wenig über CBD für Kinder und was es eventuell noch bewirkt. Im Folgenden wollen wir darum einmal alle positiven und negativen Erwägungen rund um CBD bei Kids auflisten.

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Charlotte’s tale is a well-known medical marijuana story in the medical cannabis world. Charlotte was three years old when she had her first seizure. Her seizures increased in both intensity and frequency as she got older. Doctors diagnosed Charlotte with Dravet’s Syndrome, a rare form of epilepsy. She was only five years old and suffering roughly 300 grand mal seizures per week. Her body was so badly affected that her parents and doctor put her in a medically induced coma. With no options for Charlotte, the family turned to medical cannabis. The results were astounding. Charlotte suffered no seizures her first week of trying the cannabis oil. The family turned to the Stanley Brothers to supply them with a supply of medical marijuana. The brothers created a strain with no psychoactive effects. The strain worked so well that the brothers changed the name of the strain to Charlotte’s Web in honour of her. 💚

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Pro und Kontra zu CBD bei Kindern

Pro:

  • CBD macht nicht high oder abhängig
  • wenig gravierende Nebenwirkungen
  • entspannt, fördert gesunden Schlaf
  • unterstützt dadurch mögliche Heilungsprozesse

Kontra

  • Dosierung schwierig
  • Langzeitfolgen unklar: wenig Studien!

Hier noch einmal der wichtige Hinweis: CBD nie ohne Absprache mit dem behandelnden Arzt geben!

Infografik von CBD-Infos.com CBD für Kinder

 

Wie wichtig das ist, zeigt der folgende Bericht eines krebskranken Kindes (3). Dessen Arzt bemerkte im Lauf der Behandlung mit Methadon eine immer mehr zunehmende, unerklärliche Teilnahmslosigkeit und Schläfrigkeit. Zudem verlor das Kind rapide an Appetit. Schließlich stellte sich heraus, dass die Eltern ihm CBD verabreichten, dem Arzt aber nichts davon sagten. Hier kommt es aber zu Wechselwirkungen beider, weil beide an Enzymen der Gruppe CYP450 wirken. Gibt man in so einem Fall nicht beide Wirkstoffe zeitversetzt, können sie sich gegenseitig beeinflussen – verstärken oder mindern (4). Um zu erkennen, welche Medikamente davon betroffen sind, rät die Amerikanische FDA zum sogenannten Grapefruit-Test (5).

Welches CBD-Produkt eignet sich für Kinder?

Geeignet ist jedes gut dosierbare CBD-Produkt. Das betrifft vor allem CBD Öl. Trendprodukte wie Kaugummi sind hingegen weniger geeignet, weil sie sich schlecht dosieren lassen: Nicht immer ist die Menge des enthaltenen Cannabidiols exakt gleich.

Wie finde ich das richtige CBD Öl für Kinder?

Hier sollte das ganze Augenmerk auf ausgezeichneter Qualität liegen! Denn Hanf ist ein Bodenreiniger. Das heißt, er entzieht dem Boden Schadstoffe. Bei mangelnder Kontrolle können sie im CBD Öl auftauchen. Am besten ist darum ein Öl mit Bio-Siegel oder vorhandener Schadstoff-Analyse. Mindeststandard sollte Hanf aus biologisch kontrolliertem Anbau sein.

Idealerweise begleitet ein Arzt die Einnahme, der sich damit auskennt und gute Produkte empfehlen kann.

Was ist mit THC?

THC ist der berühmte Hanfwirkstoff, der psychoaktiv ist. Er ist, wenn auch in extrem geringer Menge, in allen Vollspektrum Ölen enthalten. Denn die bilden sämtliche Inhaltsstoffe des Hanfs ab, enthalten also auch Spuren von THC. Wer das nicht möchte, sollte seinem Kind ein pures CBD Öl geben, das ist ein Trägeröl mit CBD Isolat.

Vollspektrum oder pures CBD Öl?

Ebenso sind pure CBD Öle eine Option bei Kindern, die an Allergien leiden. Dann sollte außerdem über ein anderes Trägeröl nachgedacht werden: Hanföl kann mit seinen Cannabinoiden, Terpenen und Flavonoiden ebenfalls Allergien auslösen.

Wichtig ist auch der Geschmack. Vollspektrum Öle sind häufig sehr bitter, was einigen Kindern Probleme bereitet. Hier bietet sich ebenfalls ein milderes Öl an, also am besten CBD Isolat.

CBD für Kinder

Studien zu CBD für Kinder

Seit wenigen Jahren kommt Bewegung in die Forschung zu CBD bei Kindern. Der Einsatz des Mittels Epidiolex bringt ein paar wichtige Erkenntnisse mit sich, welche wir hier zusammenfassend vorstellen wollen.

Diese Studie beschäftigt sich mit der Einahme von CBD gegen Epilepsie, die therapieresistente Kinder und Jugendliche plagte. Die Medikation fand ergänzend zu anderen Mitteln statt. Knapp 40 Teilnehmer bekamen Epidiolex über einen Zeitraum von einem Jahr. Ergebnis: Es gab keine gravierenden schädlichen Nebenwirkungen, weder kognitiver noch adaptiver Art. (6)

Eine Fallstudie aus dem Jahr 2016 zeigt die Effektivität von CBD bei Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung PTSD. Die Patientin war damals 10 Jahre alt. Viele Medikamente vorher verschafften ihr nur zeitweise Linderung. Mit CBD ging es ihr zum ersten Mal wesentlich besser, weil sich ihr Schlafverhalten besserte und ihre Ängste zurückgingen (7).

Aus dem Jahr 2019 stammt die folgende Studie. Darin wird ein zunehmender Einsatz von Cannabidiol bei ADSH untersucht. Die Untersuchung fußt auf Befragungen der Eltern. Diese gaben mehrheitlich an, CBD könne bei ADSH beruhigen und Symptome lindern. Anteilig besserten sich die folgenden Symptome:

  • Ängste (bei 47,1 % der Patienten)
  • Hyperaktivität (68,4 %)
  • Selbstverletzung und Wutanfälle (67,6 %)
  • Schlafprobleme (71,4 %)

Die betroffenen Kinder waren zwischen 4 und 22 Jahre alt. Im Schnitt erhielten sie 66 Tage lang CBD (8).

Die folgende Studie ist eine Langzeituntersuchung. Wieder ging es um Epilepsie, allerdings nicht ausschließlich: Hier stand auch die Frage im Mittelpunkt, ob man sich an die Gabe gewöhnt. Resultat müsste eine fortwährende Anpassung der Dosis sein. Umgekehrt müsste sich bei einer Toleranzentwicklung der Effekt mit der Zeit abschwächen.

Die Patienten im Alter von 1 bis 37 Jahren erhielten ein CBD Öl mit extrem wenig THC (Verhältnis CBD : THC war 20 : 1). Bei 21 Patienten, das ist ein Viertel aller Teilnehmer, entwickelte sich tatsächlich nach durchschnittlich 7,3 Monaten eine Gewöhnung (9).

Dürfen Kinder generell CBD Produkte einnehmen oder nur in Absprachen mit dem Arzt?

CBD ist ein Hanfwirkstoff, der zwar vergleichsweise sanft agiert. Seine Langzeitwirkung auf den noch unfertigen Körper entzieht sich aber unserer Kenntnis.

Deshalb die große Bitte: Sprechen Sie vor der Gabe mit dem Arzt Ihres Kindes. Geben Sie auf keinen Fall CBD, auch nicht unterstützend, ohne den behandelnden Arzt zu informieren!

 

 

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

  • Vermehrter Durst – viel zu trinken geben!
  • Appetitprobleme – CBD gilt als Appetithemmer. Beobachten, ob das Kind weiter gut isst!
  • Augeninnendruck erhöhen – besonders bei körperlich sehr schlanken Mädchen kann dies eine Gefahr darstellen (10, 11). Regelmäßig den
  • Augeninnendruck kontrollieren lassen!
  • Leber belasten (12). Inwiefern dies auch Kinder betreffen kann, ist unbekannt.

 

Wie sollte CBD für Kinder dosiert werden?

Auch hier gibt es noch viel zu erforschen. Eine allgemeingültige Anleitung zur Dosierung können und wollen wir hier nicht geben.

Erinnert sei hier noch einmal an die bewährte Faustregel: mit einer möglichst niedrigen Dosierung beginnen und sehr langsam steigern. Höher dosiert werden sollte nur dann, wenn der gewünschte Erfolg ausbleibt. Erhält das Kind weitere Medikamente, sollten zwischen beiden Einnahmen mindestens zwei Stunden liegen.

Wie gebe ich meinem Kind CBD?

Bei älteren Kindern funktioniert die sublinguale Gabe im Allgemeinen gut. Dabei gibt man mit der Pipette das CBD Öl unter die Zunge. Anschließend soll das Kind für mindestens eine halbe Minute nicht schlucken. Besser sind bis zu anderthalb Minuten (90 Sekunden).

Ist das Kind dazu nicht in der Lage, kann das CBD auch unter eine Lieblingsspeise gemischt werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass CBD Öl immer mit etwas Fett eingenommen wird. Ein leckerer Kakao geht; Limo hingegen geht nicht, weil sich das Öl dort nicht auflöst.

Gibt es Erfahrungen mit CBD Öl bei Kindern?

In den sozialen Netzwerken beginnen sich derzeit Eltern zu finden, welche sich in Spezialgruppen zusammenschließen, um ihre Erfahrungen auszutauschen. So etwas kann sehr sinnvoll sein – im englischsprachigen Bereich ist es seit Jahren üblich. Wer mehr dazu wissen will, sollte in seinem sozialen Netzwerk nach “CBD für Kinder + Name der Krankheit” suchen.

Fazit

CBD für Kinder ist ein schwieriges Thema, weil es noch wenig erforscht ist. Nähere Daten gibt es hierzu kaum, obwohl sich das in den letzten Jahren schon bessert. Immer noch aber fehlen Langzeitstudien. Eltern sollten sich stets ihrer hohen Verantwortung bewusst sein. Auf keinen Fall sollte eine Entscheidung dafür in Eigenregie vorgenommen werden. Außerdem ist die Frage der Dosierung schwierig und es kann zu einer Gewöhnung kommen. Dennoch würden wir nicht strikt von CBD für Kinder abraten. Es kann begleitend eine herkömmliche Therapie unterstützen, etwa bei ADHS, sozialen Phobien oder Autismus. Ein entsprechender Einsatz erfordert aber unbedingt die Begleitung durch einen erfahrenen Arzt!

 

1) Klotz et al, 2020:”Expectations and knowledge of cannabidiol therapy for childhood epilepsy – A German caregiver survey”
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32645621/
2) Maa + Figi, 2014: “The case for medical marijuana in epilepsy”
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24854149/
3) Madden et al, 2020: “Clinically Significant Drug-Drug Interaction Between Methadone and Cannabidiol”
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32444381/
4) Alsherbiny + Li, 2018: “Medicinal Cannabis-Potential Drug Interactions” https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30583596/
5) U.S. FDA, 2017: “Grapefruit Juice and Some Drugs Don’t Mix” https://www.fda.gov/consumers/consumer-updates/grapefruit-juice-and-some-drugs-dont-mix.
6) Thompson et al, 2020: “Cognitive function and adaptive skills after a one-year trial of cannabidiol (CBD) in a pediatric sample with treatment-resistant epilepsy”
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32759071/
7) Shannon + Opila-Lehman, 2016: “Effectiveness of Cannabidiol Oil for Pediatric Anxiety and Insomnia as Part of Posttraumatic Stress Disorder: A Case Report”
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27768570/
8) Barchel et al, 2019: “Oral Cannabidiol Use in Children With Autism Spectrum Disorder to Treat Related Symptoms and Co-morbidities”
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30687090/
9) Uliel-Sibony et al, 2020: “Cannabidiol-enriched oil in children and adults with treatment-resistant epilepsy-does tolerance exist?”
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32713661/
10) CBD und Augeninnendruck: Miller et al, 2018: “Delta-9-Tetrahydrocannabinol and Cannabidiol Differentially Regulate Intraocular Pressure” http://iovs.arvojournals.org/article.aspx?articleid=2718702
11) Flammer Syndrom: https://www.ukbnewsroom.de/risikofaktor-schlanke-figur-und-kalte-haende/
12) Ewing et al, 2019: “Hepatotoxicity of a Cannabidiol-Rich Cannabis Extract in the Mouse Model” https://www.mdpi.com/1420-3049/24/9/1694

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