CBD kann viel, ist aber kein Wundermittel. Darum kann es sinnvoll sein, eine herkömmliche Therapie mit CBD zu begleiten. Leider ist das nicht so einfach: Leicht kann es zu Wechselwirkung mit anderen Medikamenten kommen. Das hat schlimme Folgen, vor allem dann, wenn der Patient es nicht gleich merkt. Im Normalfall sind Wechselwirkungen unerwünscht, denn einer der beiden interagierenden Stoffe wirkt nicht richtig. Am besten lässt man es gar nicht erst so weit kommen. Was aber kann man tun, damit sich CBD und Medikamente nicht gegenseitig stören? Und welche Medikamente betrifft das überhaupt? Hier mehr dazu, was dabei zu beachten ist und warum der Umgang mit CBD große Sorgfalt erfordert.

CBD und Medikamente und Arzneimittel

So wird CBD im Stoffwechsel verarbeitet

CBD nutzt natürliche Pflanzenkraft. Auch die WHO stufte Cannabidiol im Jahr 2017 als unbedenklich ein 1). CBD macht also nicht abhängig, ist nicht psychoaktiv und schadet weder Mensch noch Tier. Dennoch kann ein allzu sorgloser Umgang damit zu Problemen führen: Vor allem dann, wenn jemand zusätzlich Medikamente einnimmt, ist Vorsicht geboten.

Denn oft beeinflussen sich beide Stoffe, was zu unerwarteten Effekten führt. Möglich ist diese Beeinflussung in beide Richtungen: So kann CBD selbst in der Wirkung verändert sein, aber auch das andere Medikament. Ein Grund dafür ist der Vorgang der Verarbeitung beider Stoffe im Körper.

CBD und Arzneimittel Wechselwirkungen: Das passiert im Körper

Für die Verarbeitung von Stoffen im Körper sind Enzyme unerlässlich. Sie helfen auch beim Abbau von Medikamenten. Probleme gibt es dann, wenn dasselbe Enzym für die Verarbeitung zweier Stoffe zuständig ist: Dann kommt es zu Wechselwirkungen zwischen den beiden Stoffen. Genau das ist bei CBD und ein paar Medikamenten der Fall.

Verantwortlich dafür ist eine Gruppe von Enzymen, die unter dem Begriff Cytochrome P450 zusammengefasst werden (abgekürzt CYP). Zu ihnen zählen mindestens 57 verschiedene Untergruppen. Dabei handelt es sich um bestimmte Proteine, die vor allem in der Leber wirken. Sie beeinflussen die Verarbeitung von wasserunlöslichen Stoffe, indem sie diese wasserlöslich machen. Anschließend können die Stoffe besser vom Körper verarbeitet werden.

Es ist also ein ganz normaler, lebenswichtiger Vorgang, der sich in der Leber abspielt. Kommen nun zeitgleich zwei verschiedene Stoffe dort an, ist wichtig, welche Enzyme dafür zuständig sind. Von CBD wissen wir durch eine Reihe von Studien, welche Enzyme das sind 2),3). Daraus lässt sich ableiten, mit welchen Medikamenten es Probleme geben könnte, weil natürlich auch für diese die wichtigen Enzyme bekannt sind.

Was heißt eigentlich Wechselwirkungen?

Beeinflussen sich zwei Stoffe im Körper gegenseitig, dann kommt es zu einem der folgenden Effekte. Einer der Stoffe oder beide werden in ihrer Wirkung verändert. Es kann also sowohl eine stärkere als auch eine schwächere Wirkung eintreten als beabsichtigt.

Im Fall von Medikamenten ist das natürlich schlecht. Denn der Arzt verschreibt genau, welches Medikament wann eingenommen werden soll – und vor allem, wie viel davon. Logischerweise muss dazu die Wirkung genau bekannt sein. Ist sie real stärker oder schwächer als gewünscht, sollte das Medikament in der Dosierung angepasst werden.

CBD hemmt nachweislich bestimmte Enzyme. Darum ist die Wirkung der dort verarbeiteten Medikamente wesentlich stärker als beabsichtigt! Denn die Enzyme bauen die Medikamente dann langsamer ab, weshalb sich ihre Konzentration im Blut erhöht. Dies bezieht sich auf die Enzyme CYP3A4 sowie CYP2D6. Nahezu ein Viertel aller Medikamente wird durch sie verstoffwechselt 4).

❌Welche Medikamente darf ich nicht mit CBD zusammen nehmen?


Zu den eben genannten zählen: (auch wenn wir gut recherchiert haben, sind diese Angaben ohne Gewähr! Dennoch sollte bei der Einnahme von diesen Medikamenten und CBD immer ein Arzt zu rate gezogen werden).

  • Calciumantagonisten, Betablocker (gegen Bluthochdruck, Herzerkrankungen)
  • Antihistaminika (bei Allergien)
  • Immunsuppressiva
  • trizyklische Antidepressiva
  • Statine gegen Cholesterin
  • antiretrovirale Medikamente

❌Weitere Medikamente, bei denen es zu Wechselwirkungen kommen kann:


  • Antibiotika
  • Neuroleptika wie Risperidon
  • Antiepileptika
  • Antidiabetika
  • Anästhetika
  • Antiarrhythmika
  • Protonenpumpenhemmer, etwa der Säurehemmer Pantoprazol
  • Gerinnungshemmer wie Marcumar
    bestimmte Schmerzmittel, zum Beispiel Diclofenac, auch NSAR wie Acetylsalicylsäure (Markenname Aspirin)

Bei gemeinsamer Einnahme von CBD und Arzneimittel: vorher den Arzt befragen!

 

Diese lange Liste macht deutlich: Es gibt viele Medikamente, mit denen CBD in Wechselwirkung treten kann. Nicht immer ist dies für Patienten überschaubar. Damit es nicht zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt, gilt daher vor allem eine Regel:

Beeinflussen auch die Medikamente das CBD?

Auch das kommt vor. Dann wird dessen Abbau verlangsamt und die Konzentration von CBD im Körper steigt. Der umgekehrte Fall ist natürlich auch möglich. Darauf weist unter anderem das BfArM hin5)) .


↗️ Zur Erhöhung des CBD Spiegel führen alle CYP3A4-Hemmer. Beispiele:

  • Ritonavir
  • Ketoconazol
  • Itraconazol
  • Clarithromycin

↘️ Zur Senkung des CBD Spiegels führen alle CYP3A4-Induktoren. Beispiele:

  • Johanniskraut
  • Carbamazepin
  • Phenobarbital
  • Rifampicin

Wie finde ich heraus, ob CBD mit meinem Medikament eine Wechselwirkung eingehen könnte?

Leider besteht selbst bei Fachpersonal manchmal noch eine Unsicherheit in Bezug auf CBD. Es gibt aber eine ganz einfache Methode, herauszufinden, ob das betreffende Medikament mit CBD zusammen eingenommen werden kann. Die Rede ist vom sogenannten Grapefruit-Test.

🍊 Der Grapefruit-Test in der Praxis

Vielleicht wissen Sie das: Manche Medikamente sollten nicht zusammen mit Grapefruit eingenommen werden. Das hat exakt dieselben Gründe wie die, welche wir oben beschreiben. Man kann sich also mit der Faustregel helfen: Medikamente sollten dann nicht mit CBD zusammen eingenommen werden, wenn sie auch nicht mit Grapefruit zusammen eingenommen werden dürfen.

Wer seinen Arzt danach fragt, ob es Probleme zusammen mit dem Verzehr von Grapefruit geben kann, der hat schon mal einen ersten Anhaltspunkt. Denn CBD und eine Grapefruit gleichen sich in der weiteren Verarbeitung im Körper. Nur dass CBD noch viel stärker wirkt!

Darf ich dieses Medikament dann gar nicht einnehmen?

Das wäre fatal, und so ist es zum Glück auch nicht. Der Körper braucht aber Zeit, sich auf jeden der einzelnen Wirkstoffe konzentrieren zu können. Besteht eine Wahrscheinlichkeit, dass sich beide Stoffe gegenseitig stören, sollte ein Zeitfenster zwischen die Einnahme geschoben werden. Im Allgemeinen sollten zwei Stunden reichen.

Wer zwischen der Einnahme von CBD und der weiterer Medikamente mindestens zwei Stunden vergehen lässt, ist in puncto Wechselwirkungen auf der sicheren Seite. Er gibt dem Körper Gelegenheit, jeden der beiden Stoffe so gut wie möglich zu verarbeiten. Damit steigert er die Wirkung beider auf ihr Maximum und sorgt dafür, dass das therapeutische Potenzial beider Stoffe am besten genutzt werden kann.

Was soll ich noch beachten, wenn ich CBD mit mehreren Medikamenten zusammen nehme?

Lassen Sie möglichst regelmäßig Ihr Blutbild kontrollieren. Das ist hilfreich, um mögliche negative Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Im Allgemeinen sollte es zwar nicht der Fall sein, wenn Sie sich an die Zwei-Stunden-Regel halten. Dennoch ist das immer empfehlenswert, weil CBD als solches noch wenig erforscht ist.

Welche Studien gibt es zu Wechselwirkungen mit CBD?

In den letzten 10 Jahren erfährt das Thema auch in der Wissenschaft immer mehr Aufmerksamkeit. Studien beschäftigen sich immer häufiger mit dem Thema CBD und Arzneimittel Wechselwirkungen. Ein Grund dafür ist die vermehrte Nutzung von CBD durch die Pharmaindustrie, etwa Epidiolex. Für eine sichere Nutzung der Medikamente müssen natürlich auch deren Wechselwirkungen erforscht werden.

Beispielhaft seien hier zwei Studien genannt. Ein Team Wissenschaftler untersuchte im Jahr 2015 in Massachusets Kinder, die an Epilepsie litten. Sie bekamen CBD zusammen mit dem Antiepilepsiemittel Clobazam. Dabei stellte sich heraus, dass CBD den Spiegel des Medikaments im Körper deutlich erhöhte (6). Auf diese Art könnte auch die Wirksamkeit eines Medikaments gesteigert werden.

Ähnliches stellte ein japanisches Team im Jahr 2012 fest. Dabei ging es um Warfarin und Diclofenac: einen Blutgerinnungshemmer und ein Medikament gegen Entzündungen und Schmerzen. CBD hemmte deren Abbau und verstärkte dadurch ihre Wirkung (ebenda).

Wie viel CBD darf ich einnehmen, wenn ich noch andere Medikamente nehme?

Hier gilt auch das langsame Einschleichen, wie wir es stets empfehlen, sofern noch keinerlei Erfahrung mit CBD vorliegt. Generelle Empfehlungen sind immer schwierig: Jeder Mensch reagiert sehr individuell auf CBD! Wichtig ist für unser Thema vor allem das Einhalten des zeitlichen Abstands zu den anderen Medikamenten.

Lässt sich der Prozess in der Leber nicht umgehen, etwa durch sublinguale Einnahme?

Ein Teil von CBD lässt sich sublingual sofort ins Blut schicken, dann vermeidet man den Weg über die Leber. Doch schluckt man ja trotzdem etwas herunter. Normalerweise ist der Ablauf so: Wer CBD einfach herunterschluckt, schickt es durch den Verdauungstrakt, also Magen und Darm und von dort aus via Pfortader in die Leber. Dort findet dann der beschriebene Prozess statt, und eben auch die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Ebenso verhält es sich, wenn CBD nicht als Öl, sondern etwa als CBD Kapseln eingenommen wird. Auch dann lässt sich der beschriebene Effekt nicht vermeiden.

Fazit CBD und Medikamente: Kluge Einnahme verhindert unerwünschte Wechselwirkungen!

CBD kann mit sehr vielen Medikamenten unerwünschte Wechselwirkungen eingehen. Das liegt daran, dass es dieselben Enzyme zur Arbeit anregt oder hemmt. Enzyme sind wichtige Helfer in unserem Körper, wenn körperfremde Stoffe verarbeitet werden sollen. Die Arbeit selbst kann nicht beeinflusst werden, wohl aber die Wechselwirkungen. Lässt man zwischen der Einnahme von CBD und Medikamenten mindestens zwei Stunden vergehen, dann verhindert man diesen Vorgang. Tut man das nicht, kann entweder das Medikament oder CBD in der Wirkung sowohl verstärkt als auch gemindert werden. Beides ist nicht erwünscht und kann dazu führen, die Wirkung falsch einzuschätzen. Um gravierende Fehldosierungen zu vermeiden, sollte darum stets ein Arzt zu Rate gezogen werden. Er kann die Einnahme fachlich versiert begleiten und überwachen.

 

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